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Stand: 04.11.2015

Pressemitteilung

Abschlussgespräch nach der Bezirks-Besuchstour beim Kreis-Caritasverband

Nachdem man nach der Suchtberatung mit Substitutionsambulanz, den Streetworkern und der Kinderkrippe Zwergenburg (wie berichtet) auch noch das Alten- und Pflegeheim St. Vinzenz besucht hatte, nahm man im dortigen Festsaal Platz, um ein Fazit zu ziehen.

„In einer so enorm beschleunigten Welt kann nicht jeder mit dieser Geschwindigkeit mithalten und braucht Hilfe“, dankte Heinrich den Caritas-Verantwortlichen. Geschäftsführender Vorstand Eva Reiter, seit rund einem Jahr in dieser Funktion, hob hervor, dass man mit den verschiedensten Angeboten fast alle Gruppen in Notlagen abdecke (mit Ausnahme des Bereichs „Asyl“) – vom Betreuten Einzelwohnen bis zur Wohngruppe für psychisch Kranke. Da man stets mit dem Bezirk zusammenarbeite und dieses Spektrum einmal anhand von Beispielen vor Ort demonstrieren wollte, wurde die Besuchstour von der Kreis-Caritas sehr begrüßt. Gleichzeitig nutzte man die Gelegenheit, die Politiker auf einige Probleme im System hinzuweisen. „Die Bürokratie ist für uns ein Supergau“, machte der für das Alten- und Pfegeheim St. Vinzenz zuständige Vorstand, Norbert Schellmann, deutlich und beschrieb als Beispiel die regelmäßigen, unangekündigten Kontrollen von FQA (Landratsamt) und MDK der Pflegekassen im Altenheim. Eine solche Prüfung beschäftige an diesem Tag fünf Pflegekräfte, damit dann nach bis zu zwei Monaten in einem 80-seitigen Bericht als ein „erheblicher Mangel“ vermerkt ist, dass die Pflegekraft einmal das Händewaschen vergessen hat. Dass viele Ehrenamtliche sich im Heim miteinbringen, immer wieder Aktionen mit Schulen, Kindergärten, der Kinderkrippe oder diverse Feste durchgeführt werden, spiele dort keine Rolle.

„Das Gute sieht oft keiner. Und wegen ein bis zwei Prozent der problematischen Einzelfälle wird ein Regelwerk erlassen, unter dem 98 Prozent leiden“, gab ihm Olaf Heinrich recht, der jedoch als Bezirkstagspräsident daran nicht direkt etwas ändern kann. Vielmehr ermunterte er die Anwesenden, sich auch in anderer Hinsicht nicht nur auf das Schlechte zu konzentrieren. „Denn wir dürfen bei all den sicher sinnvollen und nötigen Verbesserungen auch nicht vergessen, dass sich damals unsere Eltern gewünscht hätten, so zu leben“, so Heinrich, der in Freyung-Grafenau selbst Aufsichtsratsmitglied des Kreis-Caritasverbandes ist. Ob denn auch hier die Tarifbezahlung des Öffentlichen Dienstes dazu führe, dass es weniger Personalprobleme gebe, wollte er zudem wissen. Eva Reiter konnte das bestätigen, auch für die Altenpflege, doch meinte sie gerade in dem Bereich auch: „Wir sind mit einem Prozent Umsatzrendite auf Kante genäht und brauchen dafür eine 95-prozentige-Auslastung.“ Hier könnte der Bezirk durch die Erhöhung der bisherigen pauschal gewährten Mietzuschüsse (während die realen Mietkosten gestiegen sind) dem Einrichtungsträger unter die Arme greifen. Heinrich nahm diesen Hinweis mit und versprach Rückmeldung in der Sache. Da immer mehr private Investoren auf den Altenpflegemarkt drängen, die eine viel höhere Rendite erwarten, müsse man zum Erhalt der Pflegequalität die öffentlichen Häuser konkurrenzfähig machen.  

Dr. Thomas Pröckl, der die Caritas als „Uhrwerk“ beschrieb, in dem viele Rädchen ineinandergreifen, fiel die positive Ausstrahung der Mitarbeiter auf, die ihren Beruf offensichtlich mit viel Leidenschaft ausführen. „Dazu muss man Ihnen gratulieren“, so Pröckl an die Leitungsebene gewandt. „Ich erlebe es auch so seit ich hier bin. Jeder schaut vorwärts und tut, was er kann“, so Eva Reiter, die etwa auf die „Caritasdamen“ hinwies, die beim Dankeschön-Nachmittag über 60 ehrenamtliche Helfer bedienen. Allerdings, so Pflegeleiterin Christine Cwik, sei es gerade in der Hinsicht schade, dass die Wehrpflicht abgeschafft wurde. „Denn früher fanden die Zivis oft Gefallen an dem Beruf, heute müssen wir es über die Schulen versuchen.“

Diesen Weg sowie Veranstaltungen mit Jung und Alt fand der Bezirkstagspräsident besonders wichtig, um das gesellschaftliche Miteinander wieder verstärkt zu vermitteln. „Alt werden muss jeder, aber wir verdrängen das gerne und lassen es unsere Kindern erst gar nicht mehr sehen.“ Dass aber diese Arbeit sehr erfüllend sein kann, sei bei den Begegnungen mit den Mitarbeitern schnell deutlich gewesen.

Mit einem Dank für die offenen Gespräche verabschiedete die Caritas-Vorstandschaft die beiden Bezirkspolitiker, die nach dieser intensiven Besuchstour nun eine konkrete Vorstellung von den vielfältigen Einsatzgebieten des Kreis-Caritasverbands haben. „Alles können wir uns an einem Tag ohnehin nicht ansehen, bei Ihrem Angebot würde das eher eine Woche dauern.“

Quelle: Pressestelle Bezirk Niederbayern

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